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Wissen

Live-Untertitel für Veranstaltungen: Grundlagen, Varianten, Praxis

Live-Untertitel machen gesprochene Beiträge während einer Veranstaltung als Text sichtbar – für Menschen mit Hörbeeinträchtigung, für Gäste mit anderer Erstsprache und für alle, die in lauten oder halligen Räumen nicht jedes Wort verstehen. Dieser Artikel erklärt, welche Varianten es gibt, was sie kosten und worauf es in der Praxis ankommt.

Wem Live-Untertitel helfen

In Deutschland leben Millionen Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung – die meisten von ihnen nutzen keine Gebärdensprache, sondern sind auf gutes Hören, Hörtechnik oder eben Mitlesen angewiesen. Dazu kommen Menschen, die Deutsch als Zweitsprache sprechen, und schlicht alle, die weiter hinten sitzen. Untertitel sind deshalb keine Speziallösung für eine kleine Gruppe, sondern verbessern das Verstehen im ganzen Saal.

Zwei Wege: Schriftdolmetschung und automatische Untertitel

Schriftdolmetscher:innen verschriftlichen live und in höchster Qualität. Sie korrigieren Fehler sofort, ordnen Sprecher:innen zu und stimmen Fachvokabular vorab ab. Dafür sind sie gefragt und entsprechend früh zu buchen; als Richtwert liegen die Stundensätze häufig zwischen 75 und 100 Euro pro Person, bei längeren Einsätzen in Doppelbesetzung.

Automatische Untertitel entstehen per Spracherkennung in Echtzeit. Sie erreichen die Genauigkeit menschlicher Schriftdolmetschung nicht, sind aber in Minuten startklar, deutlich günstiger und können zusätzlich übersetzen und vereinfachen. Ein ehrlicher Vergleich der beiden Ansätze steht auf der Seite Alternative zu Schriftdolmetschern.

Wo die Untertitel ankommen: Leinwand oder eigenes Gerät

Klassisch werden Untertitel auf einer Leinwand oder einem Monitor gezeigt. Das funktioniert, hat aber Nachteile: Die Schriftgröße ist für alle gleich, der Blick pendelt zwischen Bühne und Leinwand, und wer übersetzte Untertitel braucht, geht leer aus.

Der zweite Weg bringt die Untertitel auf das Smartphone der Teilnehmenden: QR-Code scannen, im Browser mitlesen. Jede Person stellt Schriftgröße, Sprache oder Einfache Sprache selbst ein – und Teilnehmende zu Hause nutzen denselben Link wie das Publikum im Saal.

Wovon die Qualität abhängt

  • Tonsignal: Der wichtigste Faktor. Ein Mikrofon oder der Anschluss an die Tonanlage schlägt jedes Raummikrofon.
  • Sprechweise: Nacheinander sprechen, deutlich sprechen. Durcheinander ist für jede Untertitelung schwierig – für automatische besonders.
  • Vokabular: Eigennamen, Abkürzungen und Fachbegriffe sind fehleranfällig. Schriftdolmetscher:innen können sie vorbereiten, KI nicht immer treffen.
  • Test vorab: Ein kurzer Probelauf mit dem echten Setup zeigt, ob die Qualität für den Anlass reicht.

Gibt es eine Pflicht zu Live-Untertiteln?

Eine allgemeine gesetzliche Pflicht, Veranstaltungen zu untertiteln, gibt es nicht – auch nicht durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das vor allem bestimmte digitale Dienstleistungen betrifft. Wer Untertitel anbietet, tut das für die Teilhabe, nicht für Paragrafen. Eine Einordnung für Vereine und Kommunen geben die Seiten BFSG für Vereine und BFSG für Kommunen.

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